Abschiedlich leben

Der November ist der Monat der Melancholie und des Abschieds. Feiertage wie Allerheiligen und Allerseelen, Ewigkeitssonntag und Volkstrauertag gehören hierher. Der Jahresrhythmus lässt uns die Vergänglichkeit des Seins spürbar wahrnehmen. Im November bietet sich an, einmal inne zu halten, um die eigenen Werte und Ziele im Leben angesichts der Endlichkeit zu reflektieren.

Abschiedlich leben ist ein Begriff aus der Hospizarbeit. Als Hospizkoordinatorin erlebe ich, wie unterschiedlich Menschen mit Sterben, Tod und Trauer in ihrem Alltag umgehen. Was immer wieder deutlich wird ist, dass das Leben selbst unser kostbarstes Gut ist, das uns zur Verfügung steht. Dem Sterben und der Trauer des Anderen mit Offenheit und Sensibilität zu begegnen, bedeutet auch, Abschiednehmen und Loslassen deutlicher wahrzunehmen. Der Tod des anderen, von dem wir berührt und bewegt werden, ist wohl der tiefste Einschnitt im Leben eines Menschen. Wir können den Tod letztlich nicht durch unser Denken und wissenschaftliche Reflexionen ergründen, aber wir können uns diesem Geheimnis durch innere und äußere Auseinandersetzung annähern. Der Tod lehrt uns über das Leben nachzudenken.

Steve Jobs ist am 5. Oktober 2011 mit 56 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben. Immerhin sechs Jahre lang hat er erfolgreich gegen diese Krankheit gekämpft. Mitten im Leben hat er sich mit dem Tod auseinander gesetzt, wie seine Rede an die Absolventinnen und Absolventen der Stanford University im Jahr 2005 deutlich macht: „Die Erinnerung, dass ich bald tot sein könnte, ist das stärkste Mittel, das mir half, große Entscheidungen in meinem Leben zu treffen. Weil fast alles - fremde Erwartungen, der ganze Stolz, jede Angst vor Verlegenheit oder Scheitern - all das verschwindet einfach im Angesicht des Todes und lässt nur übrig, was wirklich wichtig ist. Die Erinnerung daran, dass man sterben wird, ist der beste Weg, den ich kenne, um der Vorstellung zu entgehen, dass man etwas zu verlieren hat. Man ist absolut nackt. Man hat keinen Grund, nicht seinem Herzen zu folgen.“

Der Tod kann zu einem Wegweiser und zur Orientierung des Lebens werde, wenn wir ihn nicht verdrängen, sondern ihm einen Stellenwert im Leben geben. Welche Prioritäten sind wirklich wichtig? Was bewegt und berührt mein Herz? Das Herz ist ein Urwort und steht für die Ganzheit des Menschen. Es entzieht sich einer klaren Definition und beschreibt eher den Wesenskern eines Menschen und seine Persönlichkeit. Im besten Sinne vereinen sich hier Denken und Gefühl und wir erhalten eine klare Orientierung für unser Tun und Lassen.

Coaching-Tipp:

Nehmen Sie sich Zeit, Ihr Leben einmal vom Ende her zu betrachten. Welche Spuren möchten Sie mit Ihrem Leben hinterlassen, welche Werte sollten Ihr Leben überdauern? Was gilt es heute dafür zu tun?

Literaturtipp:

Mich Albom: Dienstags bei Morrie. Die Lehre eines Lebens. Hörbuch und Taschenbuch

Verena Begemann: Hospiz – Lehr- und Lernort des Lebens. Kohlhammer Verlag 2006

Steve Jobs – Stanford Rede von 2005

www.ethosbildung.de

 

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