Humor
von Dr. Verena Begemann.
Ich lache, also bin ich
Loriot hat uns das Lachen gelehrt! So war es in den letzten Tagen zum Tod des Humoristen und Schauspielers Loriot alias Vicco von Bülow am 22. August 2011 von Wegbegleitern und Prominenten zu hören und zu lesen. Wer von uns hat nicht über die wunderbar heiter-gelassenen und ironischen Geschichten und Sketche von und mit Loriot aus vollem Halse gelacht oder zumindest geschmunzelt und gelächelt?
Lachen ist eine Wesensart des Menschen und Ausdruck unserer Individualität. Für Aristoteles gehört das maßvolle und vernunftgemäße Lachen, sprich der stilvolle Humor, zur guten Charaktereigenschaft eines Menschen, der taktvoll und gesellschaftlich gewandt ist (vgl. Nikomachische Ethik, Kap. IV, 1128a 5-10). Und der Anthropologe Helmut Plessner sieht im Lachen und Weinen die Verschmelzung von Körper und Geist. Wer schon einmal „Tränen gelacht“ hat, kennt dieses Phänomen: Im Lachen und Weinen vereinen sich Denken und Fühlen und wir sind authentisch.
Auch am Arbeitsplatz wirken Lachen und Humor befreiend und erfrischend. Die Atmosphäre wird kreativer, intelligenter und offener, wenn gelacht werden darf, so haben Humorforscher herausgefunden. Humor gehört zu den wichtigsten sozialen und emotionalen Kompetenzen unseres Menschseins. In einer fröhlichen Arbeitsatmosphäre werden Probleme schneller und effektiver gelöst. Eine wichtige Führungsqualität besteht darin über sich selbst lachen zu können. Damit stellt man seine Fähigkeit zur Selbstkritik und Souveränität unter Beweis. Das ist die beste Voraussetzung, um Mitarbeiter zu motivieren, mit eigenen Schwächen und Fehlern offen und stressfrei umzugehen. Ein Unternehmen gewinnt dadurch an Menschlichkeit. Natürlich kann Lachen auch negativ besetzt sein. Im Sinne des Auslachens, lächerlich Machens und der Schadenfreude kann es zu Konflikten und Verletzungen kommen. Somit gilt auch hier wieder der philosophische Grundsatz ein gutes Maß an humorvoller Sensibilität zu entwickeln und mit eigenem Lachen ansteckend zu wirken.
Loriot war auch Träger des Erich-Kästner-Preises für Literatur, der über den Humor folgendes schrieb: „Der Humor rückt den Augenblick an die richtige Stelle. Er lehrt uns die wahre Größenordnung und die gültige Perspektive. Er macht die Erde zu einem kleinen Stern, die Weltgeschichte zu einem Atemzug und uns selber bescheiden. Das ist viel. Bevor man das Erzübel der Eitelkeit nicht fortgelacht hat, kann man nicht beginnen, das zu werden, was man ist: ein Mensch.“ (Erich Kästner, 1899-1974)
Coaching-Tipps:
- Lachen Sie in Ihrem Unternehmen miteinander und nicht übereinander - Humor ist ein wunderbares Instrument der Wertschätzung für Ihre Mitarbeiter.
- Seien Sie wachsam bei zynischem Lachen. Es ist Nährboden für Entwertungen, der Menschen in Ihrem Unternehmen schadet.
- Wagen Sie über sich selbst zu lachen – es stärkt Ihr Immunsystem und senkt den Blutzuckerspiegel. Herzhaftes Lachen ist so wohltuend wie gutes Jogging.
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Literaturtipps:
Manfred Geier: Worüber kluge Menschen lachen. Kleine Philosophie des Humors. Rowohlt Verlag
Gerhard Schwarz: Führen mit Humor. Gabler Verlag 2007
Loriot: Bitte sagen Sie jetzt nichts… Gespräche über Leben und Werk, Ehe, Politik, Liebe und Tod. Diogenes Verlag (erscheint im November 2011)
Text zum Hören:
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