Tu Deinem Leib etwas Gutes
von Dr. Verena Begemann.
…damit Deine Seele Lust hat darin zu wohnen, so hat die Mystikerin Teresa von Avila vor ca. 500 Jahren über das freudvolle Zusammenspiel von Leib und Seele philosophiert. Der Begriff „Leib“ ist nicht mehr selbstverständlich in unserer Alltagssprache. Vor kurzem las ich auf einer Werbefläche eines Fitnessstudios den Slogan: „Design your body“. Ist das die moderne Übersetzung von Leibbewusstsein für den lifestyle von heute?
Die Begriffe „Körper“ und „Leib“ sind miteinander verwoben und verweisen zugleich auf Unterschiedliches. „Ich bin mein Leib und habe einen Körper“ so könnte man zwischen subjektivem Sein und objektivem Haben etwas verkürzt differenzieren. Der Soziologe Robert Gugutzer präzisiert: „Der Leib ist eine subjektive Tatsache und […] wird erfahren, wohingegen der Körper als Objekt oder Instrument aktiv genutzt werden kann, etwa in der Arbeit, im Sport, beim Singen, Lesen […].“
Sich des Körperhabens und Leibseins bewusst zu werden, ist Teil des Menschseins. Leibbewusstsein ist ein aktiver Prozess, der sich durch übende Zuwendung zu sich selbst entwickelt. Mit allen Sinnen die Natur wahrzunehmen, in der Sauna alles auszuschwitzen, was einem nicht gut tut und sich wieder ganz frisch zu fühlen oder sich von guter Musik berühren zu lassen sind Möglichkeiten, um Leib- und Körperbewusstsein zu entwickeln. Je mehr der Mensch sich seines Körpers und seiner Leiblichkeit bewusst wird, desto höher ist die Selbsterkenntnis und umso mehr Entfaltungsmöglichkeiten eröffnen sich zur Lebensgestaltung.
Aufmerksamkeit und Achtsamkeit sind Schlüsselqualifikationen für die Entwicklung einer leiblichen Intelligenz. In Achtsamkeit und Aufmerksamkeit sind alle Sinne des Menschen zur Aufnahme sensibilisiert und geschärft. Ein achtsamer Mensch steht in guter Beziehung zu seinem Leib. Es ist eine schöne Aufgabe Körper- und Leibbewusstsein als integrative Elemente einer klugen Lebensführung sensibel zu verfeinern. Sinnlich ist zu erkennen, dass dieses ein wichtiger Beitrag zur Selbstsorge ist und zu einem glücklichen Sein beträgt.
Coaching-Tipps zur leiblichen Selbstsorge:
- Halten Sie einmal am Tag inne und stehen Sie ganz bewusst! Wie ist Ihre Bodenhaftung? Stehen Sie aufrecht oder gebeugt? Was umgibt Sie? (Diese Übung können Sie z.B. im Supermarkt an der Kasse, im Büro oder zu Hause in der Küche machen) Nehmen Sie sich Zeit für einen Spaziergang der Sinne! Was hören Sie, was riechen Sie, was sehen Sie, was schmecken Sie, was fühlen Sie?
www.ethosbildung.de
Literaturtipps:
Karlfried Graf Dürckheim: Der Alltag als Übung. Huber Verlag 2004
Robert Gugutzer: Personale Identität als reflexive Leiblichkeit. Ein lebenskünstlerischer Entwurf. In: Verena Begemann / Stephan Rietmann: Soziale Praxis gestalten. Kohlhammer Verlag 2011
Text zum Hören:
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