Vertrauen schafft Sozialkapital

von Dr. Verena Begemann.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser - so lautet eine Redewendung, die dem russischen Politiker Lenin, wohl nicht ganz korrekt, zugeschrieben wird. Wie verhalten sich Vertrauen und Kontrolle zu einander? Können wir ohne Verlust von Vertrauen andere kontrollieren? Oder sind nicht erst Kontrollmechanismen notwendig, um Vertrauen wagen zu können? Für den St. Gallener Management-Experten Fredmund Malik gehört Vertrauen zu den Grundsätzen wirksamer und effektiver Führungskompetenz. Malik formuliert: „Worauf es in letzter Konsequenz ankommt, ist das gegenseitige Vertrauen! Es ist das Vertrauen, das zählt, und gerade nicht all die anderen, so oft beschriebenen und geforderten Dinge wie Motivation, Führungsstil und Unternehmenskultur.“ (Malik, 2006, 135)

Vertrauen wird mit Verlässlichkeit, Klarheit und Echtheit assoziiert. Ein Vertrauensverhältnis ist von gegenseitiger Offenheit und Wertschätzung geprägt. Um Menschen vertrauen zu können, ist es wichtig ihnen zuzuhören. Eine Haltung des Anteil nehmenden Interesses ist förderlich, um die Vertrauenswürdigkeit des Gegenübers zu erkennen. Aktives Zuhören und präsentes Dasein schaffen eine Atmosphäre in der Menschen gerne miteinander und zielorientiert arbeiten. Dafür ist oft nicht die Länge des Kontaktes entscheidend. Achtsame, wenn auch kurze Begegnungen schaffen einen guten Nährboden für vertrauensvolle Beziehungen.

Eine weitere wichtige Komponente von Vertrauen ist ein authentisches Profil. Menschen, zu denen ich ein Vertrauensverhältnis aufbauen will, müssen wissen, woran sie sind. Echt und authentisch zu sein ist gerade das Gegenteil einer Maske oder einer Rolle. Es geht darum als Persönlichkeit wahrgenommen zu werden, die Sicherheit und Verbindlichkeit ausstrahlt, aber nicht perfekt sein muss. Vertrauen lässt sich nur zu einem gewissen Grad selbst schaffen. Es ist eher die Grundhaltung der Offenheit und Integrität, die Vertrauen entstehen lässt.

Fredmund Malik spricht, im Gegensatz vom blinden Vertrauen, das im beruflichen Kontext nicht angemessen ist, von gerechtfertigtem Vertrauen. Das heißt, ich investiere Vertrauen in eine Beziehung bzw. eine Person, wenn ich der Überzeugung bin, dass sich diese Investition lohnt und ich das Gegenüber für integer erachte. Vertrauen braucht Zeit, eine gute Basis, um wachsen zu können und lebt vom gegenseitigen Geben und Nehmen. Ein einfacher Satz von Robert Bosch bringt den Wert und die Kostbarkeit von Vertrauen auf den Punkt: „Lieber Geld verlieren als Vertrauen“

Vertrauen ist eine wichtige Ressource in Gesellschaft, Organisationen und Betrieben. In Verbindung mit guten Netzwerken und verbindlichen Werten wird Sozialkapital erzeugt, das Lebendigkeit und menschliches Miteinander fördert. Gegenseitiges Vertrauen erleichtert somit die Zusammenarbeit und schafft ein gutes Arbeitsklima mit hoher Lebensqualität.

Fragen zur Führungskompetenz:

  • Durch welche Beziehungen erzeugen Sie Sozialkapital?
  • In welche Beziehungen wollen Sie zukünftig Vertrauen investieren?

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Lesetipps:

Fredmund Malik: Führen, Leisten, Leben. Campus Verlag 2006

Grafik aus: Oscar Gabriel: Sozialkapital und Demokratie. Zivilgesellschaftliche Ressourcen im Vergleich. Facultas Universitätsverlag 2003, S. 23

 

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