Viel Glück!

von Dr. Verena Begemann.

Am Anfang eines Jahres wünschen wir uns gegenseitig „Glück“. Doch was hat es auf sich mit diesem Wunsch? Was bedeutet Glück? Was verbinden wir mit einem glücklichen Leben?

Viele Ratgeber versuchen zu erklären, wie wir glücklich werden. Glück wird hier zu einer Technik, die selbstdiszipliniert angewendet zu einem größtmöglichen Gewinn für die persönliche Lebensführung wird. Doch glückliches Sein ist vielmehr eine philosophische Lebenshaltung und ein umfassendes Lebensziel.

Ein Blick in die Antike schenkt auch für Heute Orientierung und Klarheit. Für Aristoteles und Seneca ist Glück höchster Wert und Ziel des gut geführten Lebens. „Glück setzt ethische Vollkommenheit voraus und ein Vollmaß des Lebens“ (Aristoteles). Wir stehen also vor der Aufgabe einen individuellen Lebensstil zu entfalten, der Werte, Prioritäten, Überzeugungen und Kompetenzen in sich vereint. Glück bedeutet, eine persönliche Lebensgeschichte zu schreiben und ein einzigartiges Lebensmuster zu entwerfen. Glück als philosophische Grundhaltung ist das Streben nach einem sinnerfüllten Leben. Dazu braucht es Lust und Freude an der schöpferischen Arbeit der Selbstverwirklichung. „Glücklich ist also ein Leben in Übereinstimmung mit der eigenen Natur, das nur gelingen kann, wenn die Seele gesund ist.“ (Seneca). Der höchste Wert des menschlichen Lebens – das Glück als umfassendes Sinnziel – zeichnet sich dadurch aus, dass der Mensch nach einem guten Einklang von Wissen, Emotionalität und klugen Entscheidungen strebt. Hier gilt es mit den Widersprüchen des Lebens zu ringen, sie akzeptieren zu lernen und eine gute Balance zwischen diesen Polaritäten zu entwickeln. Ein glücklicher Mensch erkennt Fähigkeiten, Chancen und Grenzen zur Lebensgestaltung. Auch Investitionen in soziale Netzwerke gehören zum glücklichen Sein. Die Lust Beziehungen zu pflegen und Kontakte zu knüpfen wirkt zutiefst sinnstiftend und glücksstimulierend. Erst die Selbsterkenntnis („gnothi seauton“ – erkenne dich selbst und werde der du bist!) ist die Voraussetzung um sich selbst und andere zu führen. Ein glückliches Leben ist ein bejahenswertes Leben, das Erfolg ebenso wie Scheitern, Leichtigkeit ebenso wie Schwere einbezieht. Ein Wegweiser, um dem eigenen Glück auf die Spur zu kommen, ist die Frage nach dem „Bejahenswerten“ im Leben.

Der existenzielle Imperativ von Prof. Dr. Wilhelm Schmid – Begründer der modernen Philosophie der Lebenskunst – lautet

„Gestalte dein Leben so, dass es bejahenswert ist“

Frage zur Selbstreflexion: Was macht mein Leben bejahenswert?

www.ethosbildung.de

Literatur- und Hörtipp: Seneca: Vom glücklichen Leben. Reclam Verlag 1990 Wilhelm Schmid: Gespräch über Glück, Radio Bayern 2008, podcast unter http://www.wilhelm-schmid.de/Hauptframe/texte.htm

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