Krisen bewältigen

Krisen bewältigen

Nützliche psychologische Hinweise bei einer Krise

Gedacht von Andreas Steinhübel

 

Aus aktuellem Anlass werde ich von vielen gefragt, welche psychologischen Hinweise bei einer Krise nützlich sind. Uns alle fordert Corona und vor allem der angemessene Umgang mit dieser Gesamtsituation. Insbesondere beschäftigt viele die unbeantwortete Frage, wie lange diese Krise andauern wird und mit welchen Auswirkungen wir gesundheitlich, gesellschaftlich und wirtschaftlich konfrontiert sein werden. Daher habe ich psychologische Hinweise in das Akronym KRISE zusammen-gefasst. Die Muster sind so zusammengestellt, dass sie für verschiedene anspruchsvolle Situationen passen:

 

Klarheit

 

In Krisen haben wir es oftmals entweder mit Übertreibungen und Panikmache oder mit Verdrängung oder Verleugnung zu tun. Dies alles ordne ich als typische Schutzreaktionen ein. Die Emotion dazu ist Angst. Angst, die Kontrolle zu verlieren. Angst selbst bedroht zu sein oder Angst um andere. Das Gegenmittel heißt daher Klarheit. Fragen Sie sich:

 

  • Worin genau besteht die aktuelle Krise tatsächlich?
  • Welche gesicherten Informationen liegen vor?
  • Welche worst case Szenarien gibt es?
  • Welche best case Ausgänge?
  • Wer hat ein besonderes Interesse, eine Krise hochzuspielen?
  • Wer hat auch Aktien darin, eine Krise runterzuspielen?
  • Was bleibt auch, wie es ist?

 

Redundanz

 

Ähnlich wie beim Flugzeug, wo Redundanzen („Doppelt hält besser“) die Ausfallsicherheit erhöhen, können wir uns fragen, wie wir Ziele auch anders als bisher erreichen können.

 

  • Was ist jetzt immer noch besonders wichtig?
  • Wie habe ich es bisher erreicht?
  • Was geht jetzt tatsächlich nicht mehr?
  • Wie kann ich ein ähnliches Ergebnis auch auf anderen Wegen erreichen?
  • Welche Ziele lohnen sich, jetzt auch mal an die Seite zu legen?
  • Wovon verabschiede ich mich auch?

 

Unternehmerische Redundanz kann auch bedeuten, die aktuellen Geschäftsmodelle so zu modifizieren, dass diese gerade in Krisen greifen. Das kann für einen Coach das Arbeiten mit Onlineformaten oder das Veröffentlichen sein, für ein Restaurant der zusätzliche Lieferservice oder das Angebot von Online-Kochkursen.

 

Information

 

Gesicherte Fakten, Meinungen, Prognosen oder wilde Spekulationen. In Krisen gehen verschiedene Ebenen oft wild durcheinander. Wenn uns die Komplexität einer Situation überfordert, lassen sich drei Fallen beobachten. Die Absicht hinter diesen „Apokalyptischen Reitern“ (vgl. Denkbrief "Komplexität") ist es, Unsicherheit zu reduzieren.

 

  1. Ballistisches Verhalten: Handeln und Entscheiden ohne Kontrollschleife. „Da müssen wir jetzt einfach mal durch!“
    Besser: Gehe einen Schritt. Kopple zurück. Sammle notwendige Fakten. Gehe den nächsten Schritt.
     
  2. Informationsexzesse: Anhäufen von unorganisierten Datenmengen oft verbunden mit häufigem Entschei-dungsaufschub. „Erst, wenn wir alle Details präzise erfasst haben, können wir eine Ableitung treffen und das kann dauern!“
    Besser: Fokussiere Deine Informationssuche. Begrenze die Fenster auf ein nützliches Maß (z.B. zweimal am Tag).
     
    • Was wissen wir aktuell wirklich?
    • Welche souveränen Quellen nutze ich?
    • Was verbreite ich bewusst weiter? Was behalte ich auch besser?
    • Wie bilde ich mir selbst meine Meinung?
    • Wo kann ich auch meinem gesunden Menschenverstand vertrauen?
    • Wo helfen mathematische Modelle weiter?
    • Wo brauchen wir auch unsere Intution oder den „somatischen Maker“ ? (vgl. Denkbrief "Ganzheitliches Entscheiden")
       
  3. Excessive Protection: Dieses als „Peltzmann-Effekt“ bekannte Phänomen besagt, dass bei zu viel Sicherheit Menschen durch unsicheres Verhalten die Sicherheit wiederum reduzieren. So führten etwa mehr Gurte in den USA zunächst zu einer höheren Zahl von Unfällen durch risikoreiches Fahren.
    Besser: Angemessene Sicherheit. „Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste.“

 

Struktur

 

Unter Unsicherheit und Unüberschaubarkeit brauchen wir eine Struktur, die uns unterstützt, uns selbst zu ordnen, die Dinge einzuordnen und für ein geordnetes Miteinander zu sorgen.

 

Regeln helfen gerade in kritischen Situationen. Dabei ist wichtig, dass diese Regeln auf der einen Seite nicht zu starr und einengend sind auf der anderen Seite aber auch nicht beliebig. Daher rate ich als Psychologe zu Heuristiken. Dies sind übergeordnete Hinweise, die uns orientieren, aber nicht einengen. Drei Beispiele da-zu:

 

„Häuser mit einem Auto vor der Tür sind tabu!“ (aus der Welt der Einbrecher)
„Suche nach Exzentrikern.“ / „Setze auf Empfehlungen unserer Mitarbeiter.“ (aus der Personalsuche von Google)
„Steh jeden morgen zur gleichen Zeit auf.“ / „Geh nur ins Bett, wenn Du wirklich müde bist.“ / „Benutze Dein Bett nur zum Schlafen.“ / „Minimiere die Zeit, die Du im Bett verbringst.“ (Einfache Regeln zur Verbesserung des Schlafes, Sleep Medicine Institute, University of Pittsburg)
„Don´t panic; count to ten and then panic.” (Englischer Humor)

 

Leitfragen dazu:

 

  • Welche Regeln helfen jetzt besonders?
  • Welche Struktur brauche ich selbst?
  • Was sind Abläufe, auf die wir uns immer noch verlassen können?
  • Welche neuen Strukturen können wir jetzt entwickeln?
  • Auf was können wir uns immer noch verlassen?

 

Einfälle

 

Nehmen wir die griechische Wortbedeutung von „Krise“, beschreibt es eine „entscheidende Wendung“. Gelingt es, so verwandelt sich der Bruch in einen Durchbruch oder Aufbruch. Wir alle kennen den Gedanken „Not macht erfinderisch.“ Psychologisch brauchen wir dafür die Trennung von Schock, Verarbeitung und Kreativität. Gerade jetzt macht es viel Sinn, möglichst viel kreative Energie zu aktivieren. Wie wär's mal mit einem Online-Brainstorming zu Fragen, die bislang immer bei Ihnen liegen geblieben sind? Vermutlich hat jeder von uns eine Art “Müsste man mal-Liste“. Themen, für die wir keine Zeit im Hamsterrad hatten. Jetzt steht dieses Hamsterrad still und wir können diesen Themen Raum geben.

 

Aber auch für die Bewältigung der Krise können wir einfache kreative Techniken nutzen. Hierzu habe ich die „Lösungs8“ entworfen:

 

Schreiben Sie eine offene Frage in die Mitte. Dabei sollte die Frage bereits so formuliert werden, dass es eine Chance zur Lösung geben kann. Beispiele:

 

  • „Wie kann ich als Unternehmer mit der aktuellen Krise am besten für meine Mitarbeiter und Kunden umgehen?
  • „Wie schütze ich mich selbst davor, nicht in Panik zu geraten?“
  • „Welche unternehmerisches Potential kann sich hinter der Krise verstecken, was ich noch nicht sehen kann?“

 

Dann stehen Sie auf, machen sich körperlich locken und sammeln mindestens 8 Optionen.

 

Lassen Sie es fließen. Keine vorschnelle Bewertung. Aufschreiben.

 

Aus 8 mach 3. Wählen Sie drei Optionen, die Ihnen am wenigsten unrealistisch erscheinen.

 

Schleifen Sie die drei Ideen solange fein, bis eine herauskommt, mit der Sie weiterarbeiten können.

 

Andere hinzuziehen. Sie können diese Methode auch sehr gut im Team nutzen. Kleiner Hinweis: Das geht auch gut online, ohne, dass wir in einem Raum sind.

 

Ich wünsche Ihnen jetzt und bei zukünftigen Herausforderungen all die Kraft, die es braucht, den Zusammen-halt, den wir brauchen und die Menschlichkeit, die in uns allen ist.

 

Ihr Andreas Steinhübel & Olaf Zapf
Wandelbegleiter und Ausbilder

 

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