„Eines Tages fällt dir auf, dass du 99% nicht brauchst.
Du nimmst all den Ballast und schmeißt ihn weg,
denn es reist sich besser, mit leichtem Gepäck.“

Silbermond – Leichtes Gepäck

Inspiriert durch diesen Titel habe ich mich an diesen Denkbrief gesetzt und das Handelsgesetzbuch § 240 zu Rate gezogen, in dem Kaufleuten die Inventur vorgeschrieben wird. Tagtäglich habe ich es in meiner Beratungspraxis mit dem organisationalen Stöhnen zu tun, „wir haben einfach zu viele Projekte“. Doch nur wenige Unternehmen bringen den Mut auf und scheuen nicht die Konsequenzen dies zu ändern.

Wir wissen aus der Aufmerksamkeitspsychologie, dass wir ohne mentale Krücken 5 +/- 2 Informationen verarbeiten können. Aus dem Dialog mit vielen Unternehmern ist dies auch die Menge an Projekten, die zeitgleich in einem mittelständischen Unternehmen vorangetrieben werden kann. Wird die Menge jedoch zu groß, blockieren Projekte zu viel Ressourcen und bremsen sich teilweise gegenseitig aus.

Ordnungstipp:

Zählen Sie die Projekte, die parallel in Ihrer Organisation laufen. Wenn Sie eine Hand zur Verfügung hätten, welche blieben unbedingt auf dieser Hand? Welche sind demnach eben noch gut handhabbar?

Die Inventur wird damit zur Grundlage des Neuanfangs. Weitere Aufräumfragen sind:

  • Welche strategischen Ziele haben wir?
  • Welche Projekte zahlen ganz offensichtlich auf diese übergeordneten Ziele ein?
  • Welche Projekte machen wir, weil wir diese einfach mal begonnen haben und uns nicht eingestehen können, dass es sinnvoller wäre, diese zu beenden?

Diese Wirkung nennen wir den: „Effekt der versunkenen Kosten.“ (sunk costs, H. R. Arkes & C. Blumer, 1985).
Ein Teil der Kosten (der Zeit, des Aufwandes, der Energie) sind schon investiert. Diese Kosten sind sozusagen versunken. Da wir diese nicht einfach verlieren wollen, halten wir an Dingen fest, obwohl es zielführender wäre, diese zu begraben. Sie sitzen im Kino, schauen einen mäßig guten Film und in der Mitte der Vorstellung bekommen Sie eine Nachricht von einem sehr guten Freund (mal wieder das Smartphone nicht ausgeschaltet).
Er könne sich genau jetzt mit Ihnen treffen. Verlassen Sie das Kino und „versenken“ die 8,-€ (die Hälfte des Eintritts) oder bleiben Sie lieber sitzen?

Sie sind selbst Unternehmer oder können über Projekte entscheiden? Lassen Sie weg, was nicht mehr wirklich Energie nach vorne bringt.
Trauen Sie sich zu entrümpeln. Sie werden überrascht sein, welche Geschwindigkeit Sie aufnehmen.
Sie sind Projektleiter oder Führungskraft? Werben Sie für einen klaren Fokus. Leiten Sie Auswirkungen her. Trauen Sie sich auch, das Einstellen eigener Projekte zu denken. Aus meiner Sicht eine wichtige Qualität einer Projektleitung. Ich nenne das „liebevoll unbequem“ sein.
Es geht darum, sich die Auswirkungen seines Handelns deutlich zu machen. Das gilt auch für die Anschaffung neuer Gegenstände. Was davon brauche ich wirklich, wirklich, wirklich?

Rechtfertigt der kurzfristige Lustgewinn beim Kauf (den wir alle haben!) den langfristigen Aufwand dafür? Bitte nicht falsch verstehen, ich liebe bestimmten Luxus und gebe gerne Geld aus. Aber ich weiß auch, dass Sparen eine andere Form ist, die auch Lust machen kann. Nur eben leider nicht so unmittelbar. Nun denken wir auch in die andere Richtung:

  • Welche Projekte fehlen aktuell besonders?
  • Was würde uns wirklich weiterbringen?
  • Welche Ideen wären einfach großartig, wenn wir diese hätten?
  • Wollen Sie nun ein weiteres Projekt oder eine neue Aufgabe dazu nehmen, empfehle ich vorab die „Stattdessenfrage“: „Was lassen wir
    stattdessen weg?“, „Wodurch schaffen wir Platz für das Neue?“.


Zusammenfassend fünf Kerngedanken
  1. Weniger ist mehr!
  2. Eine Handvoll ist gut handhabbar!
  3. Statt höher, schneller, weiter lieber fokussierter, sinnvoller, heiter!
  4. Verabschieden ist ebenso bedeutsam wie Durchhalten!
  5. Auswirkungen sind wichtig!


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Andreas Steinhübel